Losdemokratie bedeutet, dass Entscheidungsgremien per Los besetzt werden – statt durch Wahlen. Was heute ungewöhnlich klingt, war in der ersten Demokratie der Welt, im antiken Athen, der Normalfall: Die meisten wichtigen Ämter wurden dort ausgelost, weil die Athener überzeugt waren, dass alle Bürger einander politisch auf Augenhöhe begegnen sollten. Auch wenn wir heute einiges anders machen würden als die Athener – geloste Entscheidungsgremien sind zentrale Bausteine jeder Losdemokratie. Diese Gremien bestehen in der Regel aus 25 bis 200 oder mehr gelosten Mitgliedern (je nach Wichtigkeit des Gremiums). Jeder Wahlberechtigte hat die gleiche Chance, in ein Gremium gelost zu werden, und jeder wird für seine Teilnahme angemessen entschädigt. Natürlich wird niemand dazu gezwungen werden, einer Einladung zu folgen – das wäre ja nicht im Sinne der Bürger, und es sind die Bürger selbst, die dieses System gestalten.
Heute werden themenbezogene Bürgergremien stark favorisiert, da sich die gelosten Bürger dort auf ein Thema fokussieren können, und so mehrere Gremien parallel abgehalten werden könnten (man würde also nicht einfach den Bundestag losen).

Wo kann man mehr dazu lernen?
- Video von David van Reybrouk (3 Minuten)
- Arte-Doku zum Thema (23 Minuten)
- Buch Athen von Christian Meier
- Wikipedia-Artikel zum Thema
- Website, die eine mögliche Zwischenlösung skizziert
- aleatorische-demokratie.de
- Los-GPT (eine KI mit Expertise in Losdemokratie)
- equalitybylot.com (ein englischsprachiges Blog)
- Lottocracy: Democracy Without Elections (ein englischsprachiges Buch)
- Materialsammlung des Landesverbands Berlin der Losdemokratie-Partei
- For fun: Los-O-Mat
- For fun: Subway take von Riz Ahmed (2 Minuten, englisch)
Bürgerräte und Losdemokratie
Bürgerräte sind eine moderne Anwendung des Losverfahrens – aber sie sind nicht dasselbe wie Losdemokratie.
- Bürgerräte bringen eine zufällig ausgewählte Gruppe von Bürgern für eine begrenzte Zeit zusammen, um Empfehlungen zu erarbeiten.
- Losdemokratie geht weiter: Hier würden ganze Entscheidungsorgane per Los besetzt.
Bürgerräte zeigen heute, dass zufällig ausgeloste Menschen sehr wohl fähig sind, komplexe Fragen verantwortungsvoll zu bearbeiten. Aber sie haben keine verbindliche Entscheidungsgewalt.
- Zur Bürgerräte-Infoseite von Mehr Demokratie e.V..
- Infoseite über geloste Bürgergremien in Ostbelgien
Die Losdemokratie-Partei
Die Losdemokratie-Partei ist eine neue Partei, die August 2025 gegründet wurde, und momentan bundesweit zirka 80 Mitglieder hat. Ihr einziges Ziel ist, Losdemokratie in Deutschland zu fördern beziehungsweise umzusetzen. Konkret verfolgt sie dafür folgende Zwecke:
- Sie macht sich stark für die Empfehlungen von bereits stattgefundenen gelosten Bürgerräten (nicht ihre eigenen Ansichten).
- Sie fordert neue geloste Bürgerräte.
- Sie fordert verbindliche geloste Bürgerversammlungen, und sich so schließlich selbst überflüssig machen.
Die Partei ist hier auffindbar: